Die VBH Deutschland GmbH hat am 2. April 2025 beim Amtsgericht Ludwigsburg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt. Rechtsanwalt Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger erhielt Generalvollmacht. Das Unternehmen sichert zu, dass der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt weitergeht. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeitenden sind für drei Monate durch das Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit abgesichert.
Seit Jahren kämpft VBH Deutschland mit sinkenden Umsätzen bei gleichzeitig steigenden Kosten. Die anhaltend schwierige Lage in der Baubranche hat das Unternehmen stark getroffen. Trotz intensiver Bemühungen konnte VBH Deutschland bisher nicht die notwendigen Umsatzsteigerungen erzielen, um eine langfristig kostendeckende Organisation zu gewährleisten.
Die beiden Geschäftsführer Fekke van Dijk und Michael Karthaus erklären: "Im Zuge der Sanierungsbemühungen haben wir intensiv über mögliche Restrukturierungsoptionen diskutiert. Aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung war die Entscheidung für ein Eigenverwaltungsverfahren jetzt unvermeidlich. Unser gemeinsames Ziel ist es, die notwendigen Maßnahmen schnell und stringent umzusetzen."
VBH bleibt handlungsfähig – Sanierungsexperten unterstützen
Im Unterschied zu einem regulären Insolvenzverfahren behält die Geschäftsführung bei der Eigenverwaltung die unternehmerische Verantwortung. Van Dijk und Karthaus werden die Sanierung selbst steuern, unterstützt vom Sanierungsexperten Martin Mucha. Als vorläufigen Sachwalter hat das Gericht Rechtsanwalt Dr. Holger Leichtle von der Kanzlei Görg bestellt, der das Verfahren überwacht.
Der Generalbevollmächtigte Martin Mucha betont: "In der hart umkämpften und von Margendruck geprägten Baubranche ist die VBH Deutschland seit Jahren eine konstante Größe. Die aktuellen Marktbedingungen erfordern, dass sich auch die VBH Deutschland zukunftsfähig aufstellt. Die Einleitung des Eigenverwaltungsverfahrens ist nun ein erster Schritt, um notwendige Sanierungsmaßnahmen umzusetzen."
Was ist das Geschäftsmodell der VBH?
VBH bietet Fenster- und Türenbauern ein vollständiges Sortiment sowie Systemlösungen für die Herstellung und Montage von Fenstern und Türen. Das Angebot umfasst neben Markenprodukten und Systemlösungen der Eigenmarke greenteQ auch Zubehör für die Produktion sowie Produkte für Sicherheitstechnik.
Die VBH-Gruppe ist international in mehr als 20 Ländern mit eigenen Tochtergesellschaften aktiv. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt rund 1.600 Mitarbeitende, davon etwa 500 in Deutschland. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Gruppe einen Umsatz von knapp 500 Millionen Euro.
Wichtig zu wissen
Das Eigenverwaltungsverfahren betrifft ausschließlich die Aktivitäten in Deutschland. Lubomir Bohac, CEO der VBH Holding, zeigt sich zuversichtlich: "Wir sind zuversichtlich, dass wir auch die VBH Deutschland GmbH durch die Sanierung und die Konzentration auf die ertragreichen Geschäftsbereiche wieder profitabel machen können."
In der Vergangenheit hat die VBH Holding GmbH bereits finanzielle Herausforderungen erlebt. Im Jahr 2015 musste das Unternehmen umfangreiche Sonderabschreibungen vornehmen und verzeichnete einen Verlust vor Steuern von rund 4 Millionen Euro. Dennoch konnte durch die Zustimmung der kreditgebenden Banken zu einem Sanierungsgutachten eine bilanzielle Gesundung eingeleitet werden. 2016 erfolgte eine Konzernverschmelzung der VBH Holding AG auf die TLF Holding AG, verbunden mit einem Rückzug von der Börse. Diese Maßnahme war Teil der Sanierungsstrategie und zielte darauf ab, erhebliche Kosteneinsparungen zu erzielen.